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Logbucheintrag #2 – Unsere Reise zum Day 1

Der Tag an dem unser neu gegründetes Unternehmen nach Abschluss des formellen Gründungsprozesses voll operativ tätig wurde, ist unser Day One. Es ist eine echte Reise für uns gewesen, um diesen Tag zu erleben, der für uns das Ankommen an einen Neubeginn symbolisiert.

Notartermin war am 15. Januar 2020. Während der recht formellen Sitzung bei der Notarin durchfuhr uns alle drei eine Art inneres Lächeln. Wir waren schon ein wenig stolz auf uns. Vor der Tür wurde erstmal ein Selfie gemacht und in unsere Gruppe gepostet.  

Ein Netzwerk an befreundeten Partnern, die mit uns auf einer Wellenlänge sind und mit uns zusammenarbeiten wollen hatten wir auch schon. Jetzt kam erstmal etwas Formalismus auf uns zu. Geschäftskonto anlegen. Bei einer coolen Digitalbank selbstverständlich. Identifikation zur Kontoanlage über das Smartphone. Ist ja schon fast oldschool. Geht ganz easy, dauert nur fünf Minuten. Eine tolle Innovation.

Ein Video Chat öffnet sich und ein netter junger Mann erscheint und begrüßt mich. “Bitte nennen Sie ihren vollen Namen” sagt er, was ich dann auch tue. Kurz darauf meint er: “Die Verbindung ist zu langsam, bitte nutzen Sie eine schnellere Internetverbindung oder ein anderes Gerät”. Naja, mit guter LTE Verbindung mitten in Berlin müsste das doch eigentlich funktionieren, wenn so Sachen wie Skype oder Facetime auch super funktionieren, dachte ich. Oft besser als mit langsamen WLAN. Nicht viel grübeln, dann probieren wir mal das Hotel WLAN. Der zweite Versuch scheint besser zu klappen: “Halten Sie ihren Personalausweis in die Kamera” sagt mir der nette Herr im Videochat. Klar, wird gemacht, bitte sehr. 

“Ihr Ausweis ist für die Identifikation nicht geeignet, er weisst schon zu starke Gebrauchsspuren auf”. Ooops, den hab ich halt schon ein paar Jahre im Portemonnaie, da hat sich das schwarze Leder vielleicht hier und da etwas abgefärbt, aber so schlimm ist das auch wieder nicht. “Ich Frage mal meine Chefin, ob wir das akzeptieren, einen Moment…”. Er nimmt kurz den Kopfhörer vom Ohr und ruft hinter die Kamera in den Raum. Eine Frauenstimme antwortet “Nein, das können wir leider nicht akzeptieren”. Leider Pech gehabt.

“Haben Sie einen Reisepass?”. Den hab ich schon, aber eben nicht dabei. Dann kann ich das frühestens Montagabend machen, wenn ich wieder zu Hause bin. Heute ist Freitag und ich bin in Berlin für den MBA Kurs, den ich mit Michael zusammen an der Goethe Business School übers Wochenende halte. Übers Wochenende hagelt es dann Erinnerungsmails, obwohl ich dem netten Herrn gesagt habe, dass ich das dann Anfang nächster Woche erst machen kann mit dem Reisepass. Montag war ich leider erst spät zuhause, deswegen wird es dann doch Dienstagmorgen, aber diesmal klappt es. Der Reisepass funktioniert. Endlich. Wie lange hat das jetzt gedauert? Vier Tage! Auf jeden Fall deutlich mehr als fünf Minuten. Michael und Manuel lachen sich tot, bei denen hat es nur fünf Minuten gedauert, aber die haben ja auch wahrscheinlich keine Portemonnaies aus Leder.

Die von der Bank angesagten 24h Stunden für die Konto Autorisierung ziehen sich aber bei uns allen dreien dann doch sehr viel länger hin. Irgendwann ist aber auch das erledigt. Jetzt können wir endlich das Stammkapital auf das Geschäftskonto überweisen und den Gründungsprozess mit dem Notar durch die Eintragung im Handelsregister abschliessen.

Manuel und Michael schaffen das auch wieder in fünf Minuten. Ich muss erst mal in meinem privaten Online Account das Transaktionsvolumen etwas erhöhen, damit ich meinen Anteil an Stammkapital überhaupt überweisen kann. OK, hat geklappt und jetzt noch schnell überweisen. Hat funktioniert? Wieder ist es Freitag und ich ahne nichts Gutes. 

Online ist die Transaktion bei mir zwar aufgenommen aber nicht durchgeführt, sondern im Status “In Nachbearbeitung”. Ist doch ausreichend Geld auf dem Konto, geht es mir durch den Kopf. Das hatte ich noch nie. Normalerweise wird das doch direkt ausgebucht. Was soll das denn jetzt bitte heißen: in Nachbearbeitung? Naja, wird schon klappen denke ich mir und logge mich aus. Am Nachmittag versuche ich mich wieder einzuloggen und zu schauen, ob die Transaktion jetzt durchgegangen ist. Aber was ich da sehe ist: “Ihr Konto wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt, bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf” (!) 

Ich rufe bei der Bank an und bekomme auch wieder einen netten jungen Mann an die Leitung. Nach ca. fünf Minuten Warteschleife. Zumindest da sind es nur fünf Minuten. Ich erkläre ihm den Sachverhalt und er meint, das mit der Nachbearbeitung wäre wegen des verschärften Geldwäschegesetzes. Anscheinend gehen Banken sehr unterschiedlich damit um, wie man Kundenzufriedenheit umsetzt ohne Sicherheit zu vernachlässigen, denke ich mir. Michael und Manuel hatten nämlich kein Geldwäschegesetz-Problem. Ich verkneife mir den Satz: Euch würde mal ein Nutzer-zentrischer Innovationsansatz mit Design Thinking gut tun. Mein Konto ist auf jeden Fall am nächsten Tag wieder entsperrt. Wie lange das mit der Nachbearbeitung dauert und ob die Transaktion dann durchgeht, konnte er mir leider nicht sagen. Vielleicht hat meine Erklärung geholfen, dass die Überweisung das Stammkapital ist für eine Unternehmensgründung und der ganze weitere Gründungsprozess davon abhängt. Siehe Verwendungszweck in der Transaktion: “Einzahlung Stammkapital” – nur so am Rande. Jetzt fängt es an mich zu nerven.

Montag, nachdem ein Werktag vergangen ist seit meiner Überweisung am letzten Freitag, rufe ich nochmal an. Diesmal ist nach den fünf Minuten Warteschleife eine nette Dame dran. Klar musste ich vorher erst wieder durch das Prozedere durch: wählen Sie 1 für Fragen zu Ihrer Quartalsabrechnung, drücken Sie die 2 für Fragen zum Online Banking, wählen Sie 3 für Telefonbanking, für Kartensperre drücken Sie die 4. Die nette Dame konnte mir aber auch nicht genau sagen, wie lange das dauert, meinte aber dass das in der Regel nach spätestens 48h freigegeben wird. Wäre gut gewesen das früher zu wissen, vielleicht ohne Zugangssperre zwischendurch und nicht erst nach dem zweiten nervigen Telefonat in drei Tagen. Am Dienstag darauf ist das Geld endlich überwiesen und am Mittwoch ist es dann auf unserem Geschäftskonto eingegangen und wir konnten unsere Notarin informieren. Michael und Manuel lachen sich tot. Schon wieder.

Tja, mit dem Online Banking ist das so eine Sache. Man kann alles mit tollen Technologien zukleistern und behaupten, dass man das jetzt auch macht mit dem Online Banking. Mal vom Kunden zu denken wäre gut gewesen, denn Online Banking ist nicht gleich Online Banking. Mit den Informationen zu arbeiten, die man über einen Kunden hat wäre vielleicht ein guter Ansatz. Aber es reicht ja sagen zu können, dass man das jetzt auch kann mit dem Online Banking. Den Kunden spüren lassen wie wichtig er/sie ist, ist anscheinend nicht so relevant für manche. Weil es das wahrscheinlich auch einfach nicht ist in der Kultur dieser Unternehmen. 

Das macht den Unterschied. Warum tut ein Unternehmen das was es tut für seine Kunden? Das kann man als Kunde spüren. Aber Hauptsache Digital. Das passiert, wenn man nicht bereit ist echte Innovation zu betreiben, die auf einer adäquaten Grundhaltung beruht und macht eben den Unterschied aus zwischen einem der auch Online Banking macht und einer echt innovativen Bank, die moderne Technologien intelligent nutzt, um Ihre Vision am Kunden zu realisieren und ihren Unternehmenssinn authentisch verfolgt. Ungefähr analog einem der halt auch einen Online Shop betreibt im Vergleich zu Amazon. Klingt krass, meine ich aber so, denn genau wie bei Amazon macht das den Unterschied.

Die Notarin ist über den Eingang des Stammkapitals informiert und die Eintragung im Handelsregister kann abgeschlossen werden. Jetzt noch schnell die Website fertig zusammengeschustert und wir sind Online. Danke an alle Freunde, die uns dabei geholfen haben unsere Website zu gestalten und zu implementieren. Weil sie es für wichtig halten, dass wir das machen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man das alles selber macht und sich da rein schafft. Man sieht was passiert und wie das was man tut Wirkung zeigt. Unser Day One ist da! Let’s go!

#Carsten

Logbucheintrag #2, Freitag 31. Januar 2020

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